{"id":8388,"date":"2016-10-05T10:41:04","date_gmt":"2016-10-05T10:41:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.blog.amnistreasury.ch\/?p=1129"},"modified":"2021-07-01T09:11:25","modified_gmt":"2021-07-01T09:11:25","slug":"gastbeitrag-von-jan-fuelscher-liquiditaetsplanung-im-kmu-oder-wie-lange-reicht-das-geld-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/amnistreasury.com\/de\/blog\/gastbeitrag-von-jan-fuelscher-liquiditaetsplanung-im-kmu-oder-wie-lange-reicht-das-geld-noch\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag von Jan F\u00fclscher: Liquidit\u00e4tsplanung im KMU, oder: \u00abWie lange reicht das Geld noch?\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Unternehmen gehen nicht unter, weil sie keinen Gewinn schreiben, sondern weil sie kein Geld mehr haben: Ohne Geld lassen sich die L\u00f6hne nicht mehr bezahlen und die Schulden nicht begleichen. Etwas technischer: Mangelnde Liquidit\u00e4t ist der sichere Weg zum Konkurs.<\/p>\n<p>Wie aber finde ich heraus, ob wir gen\u00fcgend Geld haben? Das m\u00fcsste doch der Buchhalter sagen k\u00f6nnen. &#8211; Ja, das kann er &#8211; f\u00fcr die Gegenwart.\u00a0Aber wieviel Geld ist genug? Und wie werden sich die n\u00e4chsten sechs oder zw\u00f6lf Monate\u00a0entwickeln?<\/p>\n<p>F\u00fcr kleine Unternehmen, allen voran Startups, sollte das Messen und die Planung der Geldzufl\u00fcsse und -abfl\u00fcsse (&#8222;Cash Flows&#8220;) das wichtigste Planungsinstrument sein. Dies ist mit der traditionellen Buchhaltung nicht m\u00f6glich: Die Buchhaltung befasst sich meist mit dem\u00a0Dokumentieren der Vergangenheit und sie orientiert sich am Gewinn im Zentrum der Betrachtung. F\u00fcr die Planung der Liquidit\u00e4t reicht das nicht, denn einerseits h\u00e4ngen Gewinne und Geldfl\u00fcsse\u00a0nur sehr indirekt zusammen und andererseits sagt die Vergangenheit wenig \u00fcber die Zukunft aus.<\/p>\n<p>Zwei m\u00f6gliche Ans\u00e4tze f\u00fcr die Cash Flow-Planung:<\/p>\n<ol>\n<li>komplette Budgetierung, oder<\/li>\n<li>viel einfacher: Planung direkt bei den Quellen und Senken der Geldfl\u00fcsse.<\/li>\n<\/ol>\n<h2>1. Budgetierung<\/h2>\n<p>Bei der Budgetierung versucht man, f\u00fcr die wesentlichen Konti der Buchhaltung eine Entwicklung zu planen und vorauszusagen. Dabei werden einzelne unternehmerische Vorhaben positiv oder negativ budgetiert; ein \u00dcberschreiten des Budgets ist ein Erfolg, ein Unterschreiten ist ein Misserfolg. Das Budget ist gut geeignetes Instrument f\u00fcr gr\u00f6ssere Firmen, aber das Budget erfasst die Liquidit\u00e4t &#8211; das Geld &#8211;\u00a0als zentrale Kenngr\u00f6sse nur am Rand und es ist relativ komplex zu f\u00fchren.<\/p>\n<h2>2. Planung bei den Quellen und Senken der Geldfl\u00fcsse<\/h2>\n<p>Ein Instrument, das sich in der Praxis sehr bew\u00e4hrt hat und recht einfach ist, funktioniert folgendermassen:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr jede relevante Geldquelle (Projekte \/ Kunden) erstellen Sie eine monatliche Sch\u00e4tzung f\u00fcr die n\u00e4chsten 12 Monate. Dabei rechnen Sie nur mit sicheren Zahlungseing\u00e4ngen. Sie k\u00f6nnen diese Daten zum Beispiel aus der Liste der unterschriebenen Offerten \/ Vertr\u00e4ge extrahieren. Relevant ist dabei das Datum des geplanten Zahlungseingangs. Die Summe der Betr\u00e4ge weisen Sie f\u00fcr jeden der n\u00e4chsten 12 Monate aus, so dass Sie eine \u00dcbersicht \u00fcber die geplanten Zahlungseingange im n\u00e4chsten Jahr haben.<\/li>\n<li>F\u00fcr jede wichtige Geldsenke erstellen Sie die gleiche Planung: L\u00f6hne, Miete, andere Fixkosten, variable Kosten. Auch diese Prognose umfasst die n\u00e4chsten 12 Monate.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Sie nun die geplanten Einnahmen von den geplanten Ausgaben abziehen, erhalten Sie den Geldfluss (Cash Flow) f\u00fcr die n\u00e4chsten 12 Monate. Das k\u00f6nnte zum Beispiel wie folgt aussehen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/amnistreasury.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/jf1-2.png\" alt=\"\" width=\"1370\" height=\"538\" \/><\/p>\n<p>Was sieht man daraus?<\/p>\n<ol>\n<li>Jetzt &#8211; Stand Ende September &#8211; ist zwar der Auftragseingang nicht so berauschend, aber Sie m\u00fcssen sich vorderhand noch keine Sorgen machen um die Liquidit\u00e4t.<\/li>\n<li>In den n\u00e4chsten zwei Monaten haben Sie sehr gute Zahlungseing\u00e4nge im Vergleich zu den Kosten. Wenn Sie dieses Verh\u00e4ltnis auch in Zukunft hinbringen, k\u00f6nnte es Ihrem Unternehmen sehr gut gehen.<\/li>\n<li>Sie sollten nun bald weitere Auftr\u00e4ge an Land ziehen, um m\u00f6glichst ab Dezember weitere positive Cash Flows zu erhalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Planung f\u00fchren Sie monatlich nach. Das ist auch ein ausgezeichnetes Tool f\u00fcr Ihren Verwaltungsrat oder ggf. den Monatsbericht f\u00fcr die Aktion\u00e4re.<\/p>\n<p>Wenn Sie diese Planung einen Schritt weiterf\u00fchren wollen und auch die bereits offerierten Projekte ber\u00fccksichtigen wollen, so empfehle ich Ihnen, dies\u00a0nicht\u00a0mit der Planung der sicheren Geldfl\u00fcsse zu kombinieren, sondern ein separates Tool zu verwenden. Dabei listen Sie nach Wahrscheinlichkeit gewichtete Cash Flows pro Quartal auf, zum Beispiel wie folgt:<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/amnistreasury.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/jf2-1.png\" alt=\"\" width=\"897\" height=\"193\" \/><\/p>\n<p>\u00abGewichtete Cash Flows\u00bb entstehen, indem man die erwarteten Cash Flows mit der gesch\u00e4tzten Wahrscheinlichkeit, dass der Auftrag kommt, multipliziert &#8211; dies ergibt dann die\u00a0\u00abgewichteten Cash Flows\u00bb. Es ist sinnvoll, diese separat aufzulisten, da die Wahrscheinlichkeiten h\u00e4ufig schwierig zu sch\u00e4tzen sind und erfahrungsgem\u00e4ss zu hoch gesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Nimmt man die beiden Planungen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild: Per Ende September n\u00e4chsten Jahres ist der Kontostand voraussichtlich bei -26&#8217;200 Franken; offeriert sind aber weitere 60&#8217;000 Franken. Somit muss keine existenzielle Angst aufkommen, aber sicher sollten weitere Akquisitionsmassnahmen durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Diese Planungstools haben sich vor allem f\u00fcr Jungunternehmen, aber auch f\u00fcr viele KMUs schon sehr gut bew\u00e4hrt &#8211; und sind viel einfacher zu verwenden als komplette Budgets, wie sie von vielen Buchhaltungsprogrammen zur Verf\u00fcgung gestellt werden.<\/p>\n<h3>Zur Person:<\/h3>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.https:\/\/amnistreasury.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/jf3.jpg\" alt=\"jf3\" width=\"138\" height=\"214\" \/>Jan F\u00fclscher verbindet Erfahrung als Unternehmer, Empathie und humanistische Werte mit praxisgepr\u00fcftem betriebswirtschaftlichem Handwerkszeug.\u00a0Er sucht und findet L\u00f6sungen, um nachhaltigen Erfolg f\u00fcr Unternehmen und ihre Eigent\u00fcmer sicherzustellen und begleitet Unternehmer auf dem Weg zu ihren Zielen.<\/p>\n<p>Jan F\u00fclscher ist als Verwaltungsrat und Coach bei KMUs verschiedener Branchen t\u00e4tig. Er hat Lehrauftr\u00e4ge an den Universit\u00e4ten Z\u00fcrich und Bern sowie mehreren Fachhochschulen inne. Er ist Coach und Mentor f\u00fcr Unternehmer und F\u00f6rderorganisationen.\u00a0Als langj\u00e4hriger Unternehmensberater sammelte er Erfahrung in verschiedenen Branchen. Heute ist er weit \u00fcber die Startup-Branche hinaus vernetzt und h\u00e4lt\u00a0auch Vortr\u00e4ge und Workshops.<\/p>\n<p>Jan F\u00fclscher hat einen Master of Arts der Universit\u00e4t Z\u00fcrich inne und ist zertifizierter Verwaltungsrat.<\/p>\n<p>Link zur Homepage von Jan F\u00fclscher: <a href=\"http:\/\/www.janfuelscher.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.janfuelscher.ch\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmen gehen nicht unter, weil sie keinen Gewinn schreiben, sondern weil sie kein Geld mehr haben: Ohne Geld lassen sich die L\u00f6hne nicht mehr bezahlen und die Schulden nicht begleichen. 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